3 Tage im Paralleluniversum

Re:publica Foto: Andreas Schepers3 Tage Re:publica, das tolle Wetter, Urlaub, den ich mir extra für das Treffen in der Kalkscheune genommen hatte und die vielen, meist wesentlich jüngeren Web-Besessenen haben mich emotional für 3 Tage in die eigene Studentenzeit zurückversetzt. Irgendetwas hatte mich berauscht, meine Wahrnehmung angenehm verwirrt. DAS werde ich jetzt wieder öfter machen, aus dem Alltäglichen wegdriften, die eigenen Ideen in den Mittelpunkt rücken, Gleichgesinnte treffen. (Foto: Andreas Schepers)LaptopDas Internet fasziniert mich seit mindestens 7 Jahren. Ich finde es einfach genial, wie schnell Gleichgesinnte einander finden oder wie einfach es ist, rund um die Uhr Informationen zu recherchieren. Bei meiner Arbeit als Webmaster und Betriebswirtin nutze ich den Wissensaustausch über verschiedene Fachforen oder arbeite erfolgreich mit ExpertInnen zusammen, die ich jahrelang schon aus dem Netz kenne. Der meist mehrjährige Austausch über Fachforen, die gegenseitigen Einblicke in die Referenzen, der E-Mail-Kontakt, das eine oder andere Telefonat bauen letztlich für eine Zusammenarbeit genau das Vertrauen auf, welches mir ein persönliches Treffen auch geben würde. Ich mache da keinen großen Unterschied mehr.

Blog und Podcasting begeistern mich deshalb, weil es wohl noch nie so einfach war, die eigenen Gedanken und Ideenentwürfe via Internet mit anderen zu diskutieren. Und das ohne zwischengeschaltete Agentur, Zensur oder unbezahlbar teure Technik. Einfach so aus den eigenen vier Wänden hinaus in die Welt, wie das z.B. Toni Mahoni auf spreeblick zeigt.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den ich selten in der öffentlichen Diskussion erwähnt finde: In Zeiten, in denen Ärzte, die den Menschen als Ganzes betrachten und das vertrauensvolle Gespräch von sich aus suchen, eine Seltenheit geworden sind, fühle ich mich wohler, wenn ich mich in einem geschützten Internet-Forum weitestgehend anonym auch über alle Aspekte einer Krankheit austauschen kann, mir andere Erfahrungsberichte anschauen kann oder Empfehlungen für einen Spezialisten in meiner Wohngegend oder schnellstmöglich die Kontaktdaten zu einer Selbsthilfegruppe abrufen kann. All das ist in kürzester Zeit mit Hilfe des Internet recherchiert und führt über das Web hinaus zu einem Treffen und Handeln im realen Leben. Diese Möglichkeiten möchte ich nicht mehr missen. Siehe: Selbsthilfe-online oder folgendes Beispiel auf Human Network: Ich habe eine Kur im Netzwerk gefunden.

Tanja Busse beschreibt in ihrem Buch “Die Einkaufsrevolution - Konsumenten entdecken ihre Macht” im Kapitel “Der Widerstand wächst”, die Geschichte von Jonah Peretti (engl. Text), der 2001 eine Protest-E-Mail an den Sportartikelhersteller Nike schrieb und damit, ohne es beabsichtigt zu haben, zu einer Kultfigur der amerikanischen Anti-Sweatshop-Bewegung wurde. Nachzulesen im genannten Buch von Tanja Busse. Was war geschehen? Peretti hatte den E-Mail-Verkehr mit Nike an einige Freunde weitergeleitet, diese leiteten die E-Mails ihrerseits weiter und so verbreitete sich dieser Nike-Sweatshop-E-Mail-Verkehr rasant um die ganze Welt. Peretti erhielt über 3600 Mails mit Nachfragen, Ermutigungen und Beschimpfungen. Vermutlich haben über elf Millionen Menschen den Mail-Austausch gelesen. Noch immer sei er erstaunt, wie das passiert ist, schrieb Jonah Peretti 2004. Für einen kleinen Augenblick hatte er sich als politischer Konsument betätigt, ohne zu ahnen, dass er damit den schlafenden Riesen wecken würde. Mehr Informationen über Jonah Peretti in deutscher Sprache zum Nachlesen.

Solche Beispiele, wie das genannte von Jonah Peretti begeistern mich natürlich noch mehr für das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten, Firmen und Institutionen in die Verantwortung zu nehmen.

Die Re:publica ist vorbei. Mich hätten auf jeden Fall noch mehr Veranstaltungen interessiert. Da diese aber zeitgleich in verschiedenen Räumen stattfanden, mußte man sich entscheiden. Jetzt hoffe ich auf Freigabe einiger Mitschnitte im Web - gefilmt, fotografiert, gebloggt und gechattet wurde ja immer um einen herum. Witzig fand ich auch die Idee, während der Veranstaltung, Kommentare per SMS sichtbar in den Raum zu projezieren. Ich stelle mir dieses Tool gerade im Einsatz beim Bundestag vor. ;-)

Echtzeitkommentare

Diesen Artikel bookmarken bei:
del.icio.us | Mister Wong | yigg.de | co.mments.com



4 Kommentare to “3 Tage im Paralleluniversum”

  1. fotofreak Says:

    Hallo Ina,

    es gibt einen Pressespiegel im Wiki
    http://re-publica.de/wiki/index.php/Presse-Spiegel

    lg fred

  2. Kreative Strukturen » Blog Archive » Wie bin ich zum Bloggen gekommen? Says:

    […] mit meinem diesjährigen Besuch bei der Republica habe ich ein Wordpress-Blog installiert und erst kürzlich hier über meine Freude am […]

  3. Colina-Fotoblog * » Bloggertreffen in Berlin - die Re:publica 08 Says:

    […] sich in Berlin Blogger, Bloggerinnen und andere Netzbewohner zur re:publica 08. Da ich schon im letzten Jahr mit dabei war und die Stimmung super fand, teils auch ein wenig studentisch-chaotisch aber mit […]

  4. Colina-Fotoblog * » Das Programm (Beta) der Re:publica ist online Says:

    […] 1.-3.4.2009 findet in Berlin wieder die re:publica statt. Hier meine Eindrücke von 07 und 08. Was in diesem Jahr auf dem Programm steht, kann man hier erfahren. Wer als Fotograf/in bei […]

Einen Kommentar schreiben:

Achtung: Das Verlinken rein kommerzieller Seiten unter dem Namen ist UNERWÜNSCHT!!! Derartige Kommentare werden gelöscht.