Make it groove - Faszination Djembe

Etwa vor 1,5 Jahren habe ich das erste mal spielerisch auf einer Djembe getrommelt und war vom Klang dieser Trommel absolut begeistert. Dinge, die mir gefallen, sofort zu kaufen, entspricht normalerweise überhaupt nicht meinem Wesen. Hier war es anders. Ich probierte noch ein paar mal bei einer Freundin auf dieser Trommel zu spielen, suchte nach einem geeigneten Angebot und kaufte mir eine Djembe!

Djembe von TillDamals wohnten wir noch am Berliner Stadtrand, ganz nah am Wald, unter uns ein Laden, ansonsten nur Außenwände und über uns nette junge Leute, die dann ihrerseits auch mal die Bässe aufdrehen durften. ;-) Das waren perfekte Bedingungen für meine Trommellust. Ich habe dann erst mal freestyle einige Zeit herumprobiert und einfach bei passender Musik von CD mitgetrommelt.

Dann fand ich bei ebay eine Lern-CD von und mit Amadou Kuaté und später, als ich schon einen Lehrer hatte, kaufte ich mir noch das Buch von Ursula Branscheid-Diebaté, um mehr Hintergrundinformationen zur Notation zu bekommen. In diesem Buch gibt es auch ein paar sehr nützliche Hinweise, was beim Kauf einer Djembe unbedingt zu beachten ist. Zum Glück hatte ich trotz meines Spontankaufs fast alles berücksichtigt. Meine Djembe ist für mich als Hobby-Trommlerin gut ausgewählt, sie hätte nur noch etwas leichter sein sollen! Mit 10 kg ist sie wohl überdurchschnittlich schwer.

Daniel, mein Trommellehrer hatte zum Glück mehrere Instrumente, so dass ich meine eigene Trommel nicht jedes mal zum Unterricht mitschleppen mußte.

Dann begann mein Djembe-Unterricht und entwickelte sich Dank Daniel zu einer Entdeckungsreise in eine mir bislang unbekannte Welt. Ich möchte es mal so beschreiben: Wir lernten neben der Djembe auch noch einige Grundelemente für das Spielen der Basstrommeln Kenkeni (die kleinste), Sangba (die mittlere) und Doundounba (die größte) kennen. Meist ist jede der 3 Baßtrommeln noch mit einer Glocke versehen, die mit einem Metallstöckchen geschlagen wird, während die Trommeln selbst mit einem Holzstab gespielt werden.

Das gemeinsame Spielen hat mich mitunter derart fasziniert, dass ich gerade am Anfang gleichermaßen irritiert über diese neue Art der Wahrnehmung war und in dem Moment als ich beim Trommeln über mein Spielen nachdachte, sofort aus dem Rhythmus kam. Es gab irgendwann einen Punkt, ab dem ES einfach spielte. Dachte ich dann noch darüber nach oder sollte ich später einem anderen erklären, wie oft ich gerade einen Rhythmus wiederholt hatte, dann konnte ich das oft nicht.

Es ging bei mir immer nur so: Entweder mitzählen und konzentrieren, was ja am Anfang (zumindest für mich) notwendig war oder loslassen und Teil des Ganzen werden und sich von der Angst befreien, das gemeinsame Spiel stören zu können. Kommt dann das gemeinsame Spiel in Fluss, kann man tatsächlich einen meditativen Zustand der absoluten Ruhe erleben. Ich glaube der ergibt sich genau dann, wenn wir nicht mehr denken oder zählen und uns wie von außerhalb zuhören, sondern selbst ein Teil der Musik sind.

Bei meiner Herangehensweise mit dem kopflastigen Zählen der einzelnen Schläge komme ich immer an einen Punkt, an dem ich dieses Zählgerüst loslassen muß, um in den Fluß der Musik eintauchen zu können. Es gibt da eine Grenze zwischen Kopf und Intuition. Ich staune immer wieder über diesen einen Moment, an dem ich den Kopf abschalte und einfach nur spielen kann ohne Kopfkontrolle.

“Die Harmonie, die entsteht, wenn eine Gruppe zusammen den Fluss der Musik teilt, wirkt belebend und kann den Spieler mit in den inneren Raum hinter die Töne und die Aktivität nehmen. Dabei kann eine Kommunikation jenseits von Worten und Personen entstehen, die manchmal in ein Verschmelzen zu einem Ganzen mündet.” (Zitat: Nils Kercher)

Hier ein Video-Beispiel, um zu zeigen, wie Djembe und Baßtrommeln bei einem afrikanischen Fest zum Einsatz kommen. (Sega Cisse, 70 Jahre alt an der Solo-Djembe) und noch ein Beispiel von einer Hochzeitsfeier. (Mamadou Sidibe spielt die Solo-Djembe, Tambacounda, Senegal)

Hier der Link zu einer Website, die sich der Förderung des traditionellen Djembe-Spiels widmet und von der die oben genannten Video-Beispiele stammen. http://www.rootsyrecords.com

Nils KercherNoch eine Empfehlung von mir: Die CD “Im Fluss” von Nils Kercher. Nils Kercher unterrichtet das Djembe-Spiel mit einem meditativen Ansatz. Seine CD enthält ein sehr interessantes Booklet, in dem er auf diesen meditativen Aspekte des Trommelns und seine unterschiedlichen Erfahrungen mit europäischen und afrikanischen Einflüssen beim Djembe-Spielen eingeht.

“Der Körper besteht aus Rhythmus und bewegt sich in einem Kosmos von rhythmischen Zyklen: Atmung, Herz, die anderen Organe, der Wechsel von Tag und Nacht, den Jahreszeiten, die Zyklen der Planeten…
Meiner Erfahrung nach entfaltet Musik erst dann ihre Kraft, wenn sie mit jeder Zelle des Körpers und jeder Faser des Seins vom Musiker und auch vom Zuhörer real erlebt wird. “(Zitat: Nils Kercher)

Wenn ich hier z.B. dem 4-jährigen Isaiah beim Spielen auf und mit der Djembe zuschaue, bekomme ich eine Demonstration davon, was es heißt, die Musik mit dem Körper aufzunehmen. Faszinierend!

Till Bommer informiert auf djembe-berlin.de über workshops und TrommellehrerInnen in und um Berlin. Von ihm stammt auch das oben gezeigte Foto. Außerdem spielt er im fullmoon-percussion-ensemble mit. Der nächste Auftritt wird sein am 26. August 2007, 19-22.00 Uhr, Schmiedehof 17 im Victoria-Quartier in Berlin-Kreuzberg. (Ansprechpartner: Detlef Spielvogel 030-79 70 69 11)

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4 Kommentare to “Make it groove - Faszination Djembe”

  1. Sauwetter und Blitzeis in Berlin : Colina-Fotoblog * Says:

    […] gestern, dass wir zum Djembe-Spielen gehen konnten. 10 Minuten geschlittert, mehr zur Seite bewegt als vorwärts gekommen, Rückweg […]

  2. Daniel Preissler Says:

    Hallo!

    Suchst du immer noch nach einem Djembelehrer in Berlin?
    Daniel ist glaube ich nur für kurze Zeit wieder da. Meld dich doch mal bei Sean (Mahoney). (djembemoves)

    Liebe Grüße,
    Daniel Preissler, Freiburg

  3. Ina Says:

    Hallo, schön, dass Du Dich bis hierher durchgefunden hast. :-)
    Wir (Carola und ich) sind jetzt bei Gabi, wo es uns auch sehr gut gefällt. Bestell mal bitte ganz liebe Grüße an Daniel Pies!!! Wäre schön, ihn mal, wenn auch nur kurz, zu treffen. Ina.

  4. fred Says:

    Interessante Seite, die ich beim Surfen hier gefunden habe. Vor allen Dingen die darin enthaltenen Hinweis - insbesondere auf den 4-jährigen Isaiah. Würde mich freuen, künftig mehr Beiträge zum Thema Westafrikanisches Trommeln auf dieser Seite zu finden. Hier ist also erst einmal meiner.
    Liebe Grüße, Fred

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