(Typische?) E-Mail im Freiberufler-Postfach:

Einblicke in den Freiberufleralltag - Zitat aus einer E-Mail: (Hervorhebungen sind von mir)

…jetzt haben wir uns zu einer Entscheidung bzgl. Website durchgerungen. Nach dem Vergleich von mehreren Angeboten sind wir jetzt zu einem „vernünftigen“ Ergebnis gekommen. Wie du dir denken kannst, kamen wir aus vorwiegend finanziellen Erwägungen heraus zu folgender Position: Wir “wollen” die neue Website „billig“ durch eine „studentische“ Kraft erstellen lassen und sind später eher bereit für eine „Suchmaschinenoptimierung“ oder das, worauf du hinweist z.B. nochmal Geld auszugeben. Wir hätten sehr gerne mit dir weiter gearbeitet, doch wie so oft, entscheidet letztlich das Geld wie/wo es weiter geht.(war früher anders)

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7 Kommentare to “(Typische?) E-Mail im Freiberufler-Postfach:”

  1. Jochen Says:

    Servus Ina,

    klingt nachvollziehbar aus Sicht deines ehemaligen Kunden. Bleibt abzuwarten, wie die Rechnung dann endgültig für den Kunden aussieht.
    Ich wollte als Student auch mal eine Seite aufsetzen und die Leute haben sich für einen HTML-WYSIWYG-Editor entschieden und selber gemacht.
    Nachdem ich mich mit Ihnen nochmals kurz ausgetauscht hatte, war das schon die richtige Entscheidung.
    Bei einem anderen Kunden denke ich, er schießt ein Eigentor, weil er auf eine andere Lösung setzt.

    Was mich als Feierabendblogbauer erstaunt: oft kommt es nicht zum Abschluss der Dienstleistung und es gibt wahnsinnig viele Stolpersteine vom Erstgespräch bis zur fertigen Seite.

    Wie hoch ist als Freiberufler deine Absprungquote und was sind so die Ursachen?

  2. Ina Says:

    Was ich beobachte, ist eine allgemein weiter anhaltende Tendenz zur Beschäftigung von Praktikanten, die gegen geringe bis keine Entlohnung Leistungen erbringen sollen.

    Erst vorige Woche habe ich einen Neukunden bekommen, der eine grafisch sehr ansprechende Website besitzt, nur eben nicht in den Suchmaschinen auftaucht und sich daher jetzt doch professionelle Unterstützung holen möchte.

    Die von Dir beschriebenen Stolpersteine kenne ich nicht. Meine Erfahrung erlaubt es mir, zielgerichtet Fragen zu stellen und nach wenigen Mails oder Telefonaten oder bei einem Kundengespräch eine individuelle Lösung vorzuschlagen. Bei Bedarf hole ich Experten aus angrenzenden Bereichen dazu. Das Erstellen des Angebots ist Routine. Gelegentlich empfehle ich an andere Experten weiter.

  3. Manuel Says:

    “Wir “wollen” die neue Website „billig“ durch eine „studentische“ Kraft erstellen lassen und sind später eher bereit für eine „Suchmaschinenoptimierung“ oder das, worauf du hinweist z.B. nochmal Geld auszugeben.”

    *kopfauftischplatteaufschlag*

    Ich schätze mal, da zahlt dann jemand doppelt… ;-(

    kleine Frage - worauf hast Du denn hingewiesen?

  4. Ina Says:

    @Manuel,
    also dieses Zitat aus einer E-Mail steht einfach mal stellvertretend für das, was ich leider noch immer beobachte. Die Tendenz, Spitzenqualität zu Dumpingpreisen haben zu wollen. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung, dem regelmäßigen Studium von Fachliteratur und der guten Zusammenarbeit in einem erprobten Team, bin ich in der Lage sehr gute Arbeit zu leisten, die ihren Preis hat. Und ich kann bei einem Webprojekt vorausschauend sein, weil ich schon einige Projekte gemacht habe, ich kenne die Leute, mit denen ich zusammen arbeite. Uns macht die Arbeit Spaß und entsprechend gut wird das Ergebnis. Das kann nicht so sein, wenn ein Kunde nur nach dem Geld geht. Wenn die Waschmaschine kaputt geht, kommt ja auch keiner auf die Idee mit dem Monteur über Anfahrt, Materialkosten und Stundensatz zu verhandeln.
    Auch bin ich nicht verärgert über solche Einstellung, eher erschrocken. Dafür ist mir meine Zeit zu Schade. Ich überlege dann eher, wie ich noch besser kommunizieren kann und mit Beispielen hinterlegen kann, z.B. was die Nachteile von Framesets sind und welche Bedeutung die Auffindbarkeit in Suchmaschinen hat usw. usf.

  5. Manuel Says:

    “Wenn die Waschmaschine kaputt geht, kommt ja auch keiner auf die Idee mit dem Monteur über Anfahrt, Materialkosten und Stundensatz zu verhandeln.”

    Genau meine Rede! Ansonsten finde ich Deine Einstellung, wie mit dem Problem umzugehen ist, genau richtig.

    Man kann Webseiten für 300 Euro kaufen oder für 3000. (oder 30.000 - aber das sind andere Ligen, bzw. aufgeblähte Agenturprojekte). Die Frage ist immer - was will ich mit der Webseite erreichen? Und wenn man “viel” rausbekommen will, muss man halt schon einiges reinstecken, sonst wird das “nüscht”…

  6. iBa Says:

    > mir meine Zeit zu Schade. Ich überlege dann eher, wie ich noch besser
    > kommunizieren kann und mit Beispielen hinterlegen kann

    hmmm. Ich glaube nicht, dass es daran liegt. Aus der Mail geht ja klar hervor, dass sie durchaus wissen, dass es auf diese Weise u.U. zum schlechteren Ergebnis führt. Sie haben einfach kein Geld … das heißt für die Zukunft: Zuerst den Etat klären! Was kostet wieviel - weil es soundsolange dauert. Und für Kunden anbieten, die deine Arbeit angemessen bezahlen können. Die mit wenig Geld bekommen dann eben eine abgespeckte Version. Basta :)

  7. biggi Says:

    Man sollte sich nicht zu viele Gedanken machen. Irgendwie geht es doch eigentlich nur um das “gute Gefühl” das wir beim Kaufen bekommen wollen. Ich war neulich bei einer Kosmetikerin und wollte mich eigentlich während der Behandlung dort total entspannen. Dann habe ich nur eine klitzekleine Frage zu einer Creme gestellt. Daraufhin bekam ich einen ausführlichen Vortrag über Cremé, Bio-Kosmetik, Stiftung Warentest usw. Das gesamte Fachwissen (was sicher wirklich top war) wurde mir “übergestülpt”. War sicher gut gemeint aber mit meiner Entspannung war nun nichts mehr. Sooo genau wollte ich das in dem Moment garnicht wissen. Manchmal müssen wir beim Verkaufen eben doch Schauspieler oder Therapeuten sein und das im besten Sinne und ohne Hintergedanken. Fazit: wenn ein Kunde von vornherein sagt, dass er nur ein kleines Budget hat, bekommt er die Mini-Version angeboten und auch keine langen Belehrungen/Erklärungen. Letzteres kostet dann wirklich nur unnötig Zeit und Nerven.

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