Im Gespräch: Maria Eleftheria über “Kreativität als Lebenselixier”
Hier könnt Ihr selbst Fragen an Maria stellen und mitdiskutieren.
Im Sommer 2004 habe ich Maria Eleftheria in Berlin während einer Lesung zu ihrem Buch “Mara und die Feder des Domai” kennen gelernt. “Begegnet” waren wir uns schon viel früher im Web. Maria ist Fotografin, Autorin und Lebenskünstlerin. Sie schreibt gleich zu Beginn auf ihrer Website:
“Kreativität zieht sich durch alle Bereiche und ist für mich ein Lebenselixier.”
Seit unserer ersten Begegnung im Web, später persönlich in Berlin und über die Jahre wieder per E-Mail und Internet habe ich immer wieder staunend beobachtet, was Maria so alles schreibt, fotografiert und in ihrem neuen Domizil auf Kreta werkelt. Im folgenden kleinen Gespräch hoffe ich, ihr ein paar Geheimnisse ihrer kreativen Lebenslust und -kunst entlocken zu können:
Maria, bei vielen Menschen sind die kreativen Fähigkeiten in der Kindheit am größten und werden dann mit dem Erwachsen werden nicht mehr gefördert. Wie war das bei Dir?
Ich würde sagen, dass die kreative Bereitschaft in der Kindheit am größten ist. Die Fähigkeit zur Kreativität hat jeder Mensch. Sie bleibt das ganze Leben lang erhalten und zeigt sich in sehr unterschiedlichen Ausdrucksformen.
Wenn ich als Kind gemalt und gebastelt habe, wurde ich dafür gelobt und ermuntert, damit weiter zu machen. Einerseits waren die Erwachsenen natürlich froh, dass sich das Kind gut alleine beschäftigt, aber es war auch der Stolz über den Einfallsreichtum zu spüren. Dies änderte sich, als ich in das Alter kam, in dem es um die Zukunftsplanung ging. Ab da trat die Vernunft in den Vordergrund. Kreativität war, wenn überhaupt, ein schmückendes Beiwerk, das sich hin und wieder mal geleistet werden konnte, aber selbstverständlich bitte nur reduziert und in passendem Rahmen…
Welches sind für Dich ideale Voraussetzungen, unter denen sich Deine Kreativität entfalten kann?
Grundvoraussetzung ist sicherlich, dass ich mich auf etwas einlasse, Begeisterung und Liebe dafür empfinde. Dann muss ich mir den Raum schaffen, in dem etwas geschehen kann. Ruhe, oder ein in mir ruhen, ist förderlich und bei bestimmten Tätigkeiten, wie zum Beispiel dem Photographieren bin ich am Liebsten alleine. Der perfekte Rahmen dazu ist mein persönliches Umfeld. Ich habe hier Menschen, die mich unterstützen, einerseits indem sie mich tun und sein lassen, andererseits fördern sie mich mit konstruktiver Kritik.
Kennst Du Kreativitäts-Killer? Oder gibt es so was gar nicht?
Ich glaube, es gibt leider eine ganze Menge davon.
Ein verständnisloser Lebenspartner kann ein Kreativitäts-Killer sein, oder auch der Verstand, welcher meines Erachtens oft eine zu hohe Wertigkeit im Leben erhält. Ein künstlerischer Schaffensprozess entsteht aus dem Bauch heraus. Wende ich mich mehr meinem Intellekt zu, werden Emotionen „zugedeckelt“.
Ein ganz wichtiger Killer ist der Alltagsstress, in dem wir eine Aufgabe nach der anderen gehetzt erledigen, um der „allgemeinen Gesellschaftsordnung“ gerecht zu werden. Ist die berufliche Arbeit beendet, kommen all jene Dinge wie: waschen, einkaufen, bügeln, aufräumen, Fenster putzen und ich muss noch dies und muss noch das erledigen. Abends ist die Energie so verpufft, dass es gerade noch reicht, sich von einem Fernsehfilm berieseln zu lassen, bevor man erschöpft ins Bett fällt.
Ich habe für mich die Tätigkeit des Bügelns abgeschafft und wenn ich in einem Kreativitätsschub bin, ist es mir völlig egal, was die Nachbarn zu den ihrer Meinung nach schmutzigen Fenstern sagen.
Möchtest Du uns verraten, woran Du gerade arbeitest?
*lach* Ich tanze stets auf „mehreren Hochzeiten“. Es gibt verschiedene Buchprojekte, Themensammlungen zu weiteren Ausstellungen meiner photographischen Arbeiten, ein gemeinsames Photoprojekt mit einer befreundeten Künstlerin, meine Internetpräsenz und die Gestaltung unseres Gartens mit Natursteinen, ebenfalls sehr kreativ und gut für die Fitness.
Konntest Du schon immer Deine Kreativität ausleben?
Nein, nach meiner Kindheit habe ich diesen Bereich zu Gunsten der Vernunft auf Sparflamme gedreht. Ich habe immer photographiert, aber es beschränkte sich meist auf die Urlaubszeit. Meine Kreativität drückte sich, wenn überhaupt, in der Gestaltung meines Umfeldes aus, zum Beispiel beim Renovieren der Wohnung.
Gab es irgendein Schlüsselerlebnis, welches Deine Kreativität freisetzte?
Wenn ich heute zurück schaue, kann ich sehen, dass Kreativität immer einen Platz in meinem Leben hatte, ich habe sie nur nicht als solche wahrgenommen. Das Bewusstsein dafür verdanke ich Künstlern, die mich motivierten und in meinen Ausdrucksformen wertschätzten. Das war mein Schlüsselerlebnis.
Kannst Du vom Kreativ-Sein leben oder braucht es den Brotjob nebenher?
Es braucht auch für mich, wie für viele Künstler, einen Brotjob. Kunst wird als Luxus angesehen, in der Relation zum Aufwand schlecht bezahlt und erfährt kaum Anerkennung als Arbeit.
Kreativen Menschen wird oft das berühmte „kreative Chaos“ nachgesagt. Welche Rolle spielen Struktur oder das Setzen von Zielen in Deinem Leben?
Wenn ich im kreativen Schaffen bin, tauche ich ganz und gar ein, verliere den Bezug zur Zeit. Es ist ein Seinszustand, in dem alles andere in den Hintergrund tritt. Das kann von manchen als „kreatives Chaos“ bezeichnet werden, ich nenne es Hingabe, aus der Wundervolles entsteht.
Sich Ziele zu setzen, finde ich wichtig. Damit beginne ich meine Wünsche und Träume in die Realität zu holen. Um ein Ziel zu erreichen, kann ich mich zeitweilig an bestimmte Strukturen anpassen und bin dabei sehr diszipliniert. Wenn allerdings auf dem Weg sich Besseres anbietet, finde ich es ebenso wichtig, flexibel die Ausrichtung ändern zu können. Leben bedeutet stete Veränderung und die kann nur stattfinden, wenn ich ihr den Raum lasse.
Wie ist Deine Meinung zu folgenden 2 Thesen:
1) Es ist ein seltenes Geschenk seine Kreativität ausleben zu können.
2) Logisches und strukturiertes Denken (linke Gehirnhälfte) erfahren in unserer Gesellschaft eine höhere Wertschätzung als kreatives Denken (rechte Gehirnhälfte).
Ich würde es so formulieren:
zu 1) Es ist ein Geschenk, die Kreativität auszuleben, eines, das ich mir selbst mache. Nur von mir hängt es ab, ob es selten ist.
zu 2) Das trifft wohl zu, aber ich glaube, dass in dieser Hinsicht ein Wandel stattfindet, langsam zwar, aber immerhin.
Gibt/gab es irgendwann einmal besonders schlechte, kuriose oder ärgerliche Erfahrungen mit unsinnigen unkreativen (bürokratischen) Strukturen, von denen Du uns erzählen willst?
Spontan fällt mir das Kunstprojekt einer Freundin aus Wien ein.
Mit “Frauen an der Leine” machten die Künstlerinnen Renée Kellner und Dagmar Buchta Frauengeschichte(n) sowohl en gros als auch en detail sichtbar: Biographien von Frauen aus mehreren Jahrhunderten, Kulturkreisen und Gesellschaftsklassen, dicht an dicht auf Wäscheleinen gehängt, durchspannten den Raum. Nach der Ausstellung im Oktober 2006 wurden diese Lebenszeichen von Frauen in einen Glaskubus gegeben und luftdicht verschlossen.
Über Monate holte Renée Kellner Auskünfte ein, füllte Anträge aus, beriet sich mit einer Architektin über die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen und, und, und…
Das Denkmal sollte ein Geschenk an die Stadt Wien werden, die lediglich für die Kosten der Aufstellung hätte aufkommen müssen.
Der Antrag wurde als zu unspektakulär abgelehnt.
Bezeichnend für die Zeit in der wir leben, nicht wahr?
Zum Schluss noch ein Zitat von Deiner Website: „Das Leben ist zu kurz, um es im Strom der Alltäglichkeiten zu verlieren.“ Dazu folgende Gedanken: Nicht selten verschieben wir viele spannende Dinge auf später. Z.B. so: wenn ich nur endliche Zeit habe, dann werde ich auch Malen oder wieder Tanzen gehen, Sport machen, Gitarre spielen … Oft bleibt es aber nur beim Äußern dieser Wünsche, obgleich die Sehnsucht nach all diesen Beschäftigungen wirklich sehr groß ist. Wo siehst Du den entscheidenden „Wendepunkt“ zwischen Wollen und Tun? Was muss Deiner Meinung nach passieren, damit es nicht nur beim „Wollen“ bleibt?
Es ist meine ganz eigene Entscheidung, welche Wichtigkeit ich den Dingen in meinem Leben beimesse. Jeder Mensch hat die Verantwortung für sich und sein Leben in eigenen Händen und genau das ist der Punkt. Es gibt Konsequenzen und Auswirkungen, die durch mein Handeln entstehen, auch und vor allem im Zusammenleben mit anderen Menschen. Die muss ich bereit sein zu tragen.
Habe ich noch irgendetwas vergessen? Möchtest Du noch was ergänzen?
*lächel* nein… feine Fragen und es hat Spaß gemacht. Herzlichen Dank für dein Interesse.
Diesen Artikel bookmarken bei:
del.icio.us | Mister Wong | yigg.de | co.mments.com





März 24th, 2008 at 2:02 am
[…] Ich habe nie gebügelt. Verfasserin dieser Aussage ist Maria Eleftheria. Ina Müller-Schmoß hat in ihrem Blog mit “Ria” ein Gespräch geführt, das nun offen in einem Wiki-Interview weitergeführt […]
August 10th, 2008 at 12:07 pm
[…] Gespräch: Maria Eleftheria über “Kreativität als Lebenselixier” Diesen Artikel bookmarken bei: Hide […]