Welche Rolle das Internet in meinem Leben spielt

Dies ist ein Gastbeitrag von Jean-Pol Martin. (Der Text wurde übernommen von bloggerpatenschaften.de, da dieses Blog eingestellt wurde.)

Das Internet sehnte ich mir herbei, bevor es das überhaupt gab. Als ich 1987 ein Kontaktnetz zur Verbreitung der von mir initiierten Methode „Lernen durch Lehren“ ins Leben rief, kommunizierten wir über Briefe per „Schneckenpost“. Alle zwei Monate schickte ich etwa 700 schwere Pakete, was Etat und Umwelt belastete und auch das Drucken und Einpacken kostete viel Zeit.

Beim Aufkommen des Internets richteten wir 1996 eine Homepage ein (www.ldl.de) und ab diesem Zeitpunkt wurden alle Materialien von dort heruntergeladen. Schlagartig erhöhte sich auch der Bekanntheitsgrad der LdL-Methode.

Sehr bald stieß ich auf die ZUM (Zentrale für Unterrichtsmedien) und die Betreiber zeigten sich sehr kooperativ. Sie reservierten mir ganze Forenbereiche, für das Thema „Lernen durch Lehren“. Gleichzeitig kam ich auf die Idee, nach New York zu fliegen und mich per Forum bei meiner Reise unterstützen zu lassen. Das war toll, denn ich wurde sehr intensiv während der ganzen Reise beraten.

[Red. Anmerkung: Man muß sich das so vorstellen: „es ist doch ziemlich ungewöhnlich auf einen anderen Kontinent zu fliegen und die jeweiligen Aktivitäten per Internet steuern zu lassen, oder?“ – Genau das aber macht Jean-Pol bei diesem Experiment.] Das wiederholte ich mehrmals und ich versuchte, Studenten aus der ganzen Welt per Foren zu verbinden mit dem Thema „Welche Probleme gibt es auf der Welt und wie können wir sie gemeinsam lösen?“ Dafür flog ich nach Russland, Bulgarien, Istanbul und wieder New York.

2005 entdeckte ich die Wikipedia und sofort verfasste ich zahlreiche Beiträge um LdL herum. Auch dieser Schritt war entscheidend, denn wer brandaktuelle Informationen über LdL suchte, fand sie sofort: der LdL-Wikipedia-Artikel tauchte bei Google-Suchen an erster Stelle auf.

Kurz danach wurde die Wikiversity gegründet und ich bat alle meine Schüler und Studenten sich dort accounts einzurichten. Bei mir liefen meine ganzen Veranstaltungen über Wikis im Sinne einer gemeinsamen Konstruktion von Wissen. Es entstand auch der Kurs „Internet- und Projektkompetenz“.

Vor etwa zwei Jahren wurde ich zum ersten Educamp nach Ilmenau eingeladen. In diesem Zusammenhang lernte ich u.a. Christian Spannagel kennen, mit dem eine intensive Kommunikation und Zusammenarbeit entstand. Einer unserer Freunde, Mostafa Akbari, machte mich auf das Führen von Blogs aufmerksam. Sehr bald wurde mein Blog mein Publikationsinstrument Nr.1.

Vor 6 Monaten legte mir Christian Spannagel nahe, mir doch einen Twitteraccount zuzulegen. Und jetzt ist Twitter mein permanenter Begleiter, oder besser ausgedrückt ich lebe permanent mit etwa 550 followers und 250 leuten denen ich followe.

Seitdem ich im Ruhestand bin und noch kein Handlungsfeld aufgebaut habe, das mich wirklich voll beschäftigt, benutze ich Twitter mit der Hoffnung, eine stabile Seniorencommunity zu gründen. Gerade hat mich mein Sohn hardware-technisch auf den neuesten Stand gebracht und einen Smartphone habe ich auch vor ein paar Tagen gekauft.

Ich kann mir ein Leben ohne Internet, Twitter und Smartphone schlecht vorstellen.

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