Vom Internet auf die Straße

Wer mich kennt, der weiß, dass es mir die dezentralen Vernetzungsmöglichkeiten angetan haben. Ich sehe im Web 2.0 viel mehr als nur neue Vermarktungskanäle für Produkte und Dienstleistungen. Das Internet interessiert mich vor allem wegen seiner emanzipatorischen Möglichkeiten. Online-Kommunikation bedeutet für mich weitaus mehr, als das Veröffentlichen von Pressemitteilungen in Blogs. Die Essenz einer guten (Online)-Kommunikation sind Gespräche.

Und genau dabei kann das Internet helfen: Es kann Gespräche zu vernachlässigten Themen wieder aufleben lassen und im günstigsten Fall, wie bei der Aktion Uwe, sogar über eine Verbreitung im Internet solche Themen bis in die klassischen Medien transportieren. Wer sich zu sehr auf die gängigen Begriffe, wie Web 2.0 oder Social Media Newsroom oder Online-Kommunikation konzentriert, der übersieht leicht die eigentliche Bedeutung, die sich ja erst aus dem Zusammenspiel von Internet + technischen Tools + den Akteuren, die irgendwo, aus irgendeiner Motivation heraus etwas bewegen wollen, ergibt.

Erkennt man, dass es bei dem wirklich Spannenden am Web 2.0 eigentlich um Menschen geht, die nach neuen Formen des Gedankenaustausches suchen oder kollaborativ an der Umsetzung von Ideen arbeiten oder beharrlich verkrustete Strukturen aufbrechen und ungewöhnliche Kooperationen eingehen, dann erübrigt sich auch jede Debatte darüber, ob das Internet nun eine weitere Welt neben der “realen” sei und mit welchen Methoden man dort Effizienz misst. Die zahlreichen Versuche des Zählens, Messens und Quantifizierens von Online-Aktivitäten sind meist reine Zeitverschwendung. Viel wichtiger ist es, sich aktiv in diese Vernetzung zu begeben und damit zu experimentieren.

Mit dem Projekt 95 -Fragen lädt uns die Triodos-Bank zu einem Experiment ein:

Auf 95 Fragen kann man 1.) eine Frage stellen, 2. ) Antworten auf andere Fragen geben oder 3.) die interessanteste Frage bewerten und 4.) sich durchs Lesen und Video-Schauen inspirieren lassen. Einmal pro Woche geht dann ein 95-Fragen-Reporter raus auf die Straße und stellt dort die Frage, die die meisten Stimmen bekommen hat.

Weil ich diese Idee sehr gut finde, habe ich am 10. 02. 2010 dort die folgende Frage gestellt:

Worüber würden Sie berichten, wenn Sie Zeit in einer Nachrichtensendung bekämen?

Dann habe ich diese Frage in mein Netzwerk gemailt und getwittert und auf dieses Projekt hingewiesen. Daraufhin gab es bis heute nicht nur viele interessante Antworten, die auf der Website nachzulesen sind, sondern die abgegebenen Stimmen haben gereicht, um Michaelis Pantelouris, Journalist, Autor und Blogger mit dieser Frage im Hamburger Schanzenviertel auf Tour zu schicken. Vielen Dank!

Entstanden ist dieses Video mit ebenfalls sehr interessanten Antworten:

Worüber würden Sie berichten, wenn Sie Zeit in einer Nachrichtensendung bekämen? from 95fragen_de on Vimeo.

Das Team der Triodos-Bank beantwortet auch gleich die Frage, warum sie das gemacht hat:

Warum wir das machen? Nun, zunächst ergeben Fragen und Antworten Dialog, führen zu Gesprächen. Und das ist doch schon eine ganze Menge, oder?

Ja, das finde ich auch. 🙂

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