Kategorie-Archiv: Unerhörtes

Teilhabe für alle?! Haben wir doch schon. Oder etwa nicht?

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Dies ist ein Gastbeitrag von Matthias Keitzer, der die Online-Petition “Teilhabegesetz JETZT!” gestartet hat. Keitzer knüpft damit direkt an die mit großer Resonanz von Constantin Grosch initiierte Petition “Recht auf Sparen und gleiches Einkommen” und die von Ottmar Miles-Paul koordinierte Kampagne für ein gutes Bundesteilhabegesetz an.

Hier der Text von Matthias:

Hallo liebe Blogger/innen,

ich bin kürzlich auf eine Unterschriften-Aktion von www.teilhabegesetz.org gestossen und habe mich daran gestört, dass diese nur auf dem postalischen Weg gehen soll. Daher habe ich mich entschlossen, eine Online-Petition zu starten!!!

Das Teilhabe-Gesetz soll eine Reform der bisherigen Eingliederungshilfe im SGB IX darstellen, die veraltete Strukturen und Regelungen verändern und der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht werden. Dazu gehört auch die bereits vielfach diskutierte Regelung, wonach Menschen mit Behinderungen sich erst verarmen müssen, bevor sie staatliche Unterstützung beanspruchen können.

Desweiteren ist es eminent wichtig, dass es endlich eine bundesweite Regelung in vielen Bereichen gibt; es ist ein Unding, dass das Blinden- und Gehörlosengeld von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt ist! Insbesondere das Gehörlosengeld ist ein Skandal, hier wird es besonders drastisch; die Spanne geht von NULL bis 126 Euro monatlich. Diese Leistung wird aber nur Gehörlosen gewährt, die vor ihrem 7. Lebensjahr bereits ihr Gehör verloren haben; Hochgradig Schwerhörige und Ertaubte bleiben aussen vor! Schließlich sind die Kosten für Gebärdensprach- bzw. Schrift-Dolmetscher kürzlich um 30 % auf 75 Euro pro Stunde gestiegen!

Zu den anderen Behinderungsarten will ich mich nicht äußern, da mir dazu die Sachkenntnis fehlt. Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang aber unbedingt auf die unter teilhabegesetz.org gelisteten Beispiele alltäglicher Benachteiligungen.  Diese liefern einen kleinen Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen sich Betroffene aufgrund der aktuellen Gesetzeslage herumschlagen müssen. Jedenfalls sind in allen Bereichen Verbesserungen vorgesehen!

Warum TEILHABE-GESETZ JETZT!? Die Disskussion läuft seit Jahren und unsere sozialdemokratische Sozialministerin Andrea Nahles sprach kürzlich in einem Fernseh-Interview von sportlichen Anstrengungen bei der Umsetzung der Pläne zum neuen Teilhabe-Gesetz. Ich möchte mit der Online-Petition ihr und ihren Kollegen im Bundestag und Landesregierungen einen ordentlichen Adrenalin-Schub verordnen! Dies gelingt nur mit möglichst breiter Unterstützung in Form einer Unterzeichnung folgender Online-Petition:

Zur Petition: Teilhabegesetz JETZT!

Hashtag: #THGjetzt

Hoffe auf eine rege Beteiligung und Unterstützung! Bitte auch alle Freunde, Bekannten und Arbeitskollegen informieren! Wenn Vielfalt wirklich gelebt werden kann, kommt das letztlich uns allen zugute.

Dieser Text  steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz und kann komplett oder in Ausschnitten verwendet werden. Über eine Verbreitung in anderen Blogs, Selbsthilfeforen wie auch über die gängigen Social-Media-Kanäle (ja, auch Facebook!) möchten wir uns schon jetzt bei allen Unterstützer*Innen bedanken.

Arm durch Eingliederungshilfe

Ich veröffentliche hier einen Text von Constantin Grosch, der sich auf eine Antwort der Bundesregierung zum Thema “Einkommens- und Vermögensanrechnung von Menschen mit Behinderungen” bezieht. Constantin hat vor einiger Zeit eine Petition zu diesem Thema gestartet, die von über 120.000 Menschen mitgezeichnet wurde. Wer nicht “am Thema dran ist” , findet den Text vielleich zu lang und das Thema “unbequem”. Daher ist es um so wichtiger, diesem Thema zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Worum es im Kern geht, wird duch folgendes Zitat deutlich:

Jeder Mensch mit Behinderung ist, sofern er die Behinderung seit der Geburt hat, ein geborener Sozialhilfeempfänger – vom ersten bis zum letzten Atemzug. Alleine diese Tatsache müsste schon ausreichen um den Gesetzgeber zu einer Änderung zu veranlassen und eine Diskriminierung durch die aktuelle Gesetzeslage zu bejahen.

Hier der komplette Wortlaut:

Am 13.03.2014 stellte die Abgeordnete Rüffer gemeinsam mit ihrer der Grünen-Bundestagsfraktion eine Anfrage an die Bundesregierung zum Thema “Einkommens- und Vermögensanrechnung von Menschen mit Behinderungen”, wogegen sich ja u.A. auch meine Petition richtet.

Zwischenzeitlich erreichte Sie die Antwort (inkl. Anlage) der Bundesregierung.

Zu jener Antwort habe ich eine Einschätzung geschrieben. Nur so viel in Kurz: Die Antworten zeigen, dass sich zumindest momentan scheinbar niemand bewusst ist, warum dieses Thema für so viel Wirbel sorgt.

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Wir brauchen mehr Anerkennung für pflegende Angehörige

Logo_nischenT_quadrat_far_2_88x88Claudia Groth, Vorsitzende des Kinder Pflege Netzwerks hat anlässlich eines Vortrages zum Auftakt der zweiten Woche der pflegenden Angehörigen und zur Verleihung des “Pflegebären” in Berlin am 23.09.2013 die Frage beantwortet »Wie wichtig ist Anerkennung für pflegende Angehörige?«.

In Deutschland gibt es leider generell keine ausgeprägte Anerkennungskultur. „Well done!“ oder „Good job!“ geht den Amerikanern viel leichter über die Lippen als den Deutschen ein „gut gemacht“. Aber nicht nur im Anerkennen haben wir Nachholbedarf, sondern auch im Annehmen einer uns entgegen gebrachten Anerkennung. Das merke ich an mir selbst; Lob ist mir fast unangenehm, obwohl ich mich dann doch irgendwie freue. Und das bemerke ich auch bei anderen: bis hin zu einem Tränenausbruch vor Rührung habe ich schon fast alles erlebt, wenn ich jemandem sage: ich finde, Du machst das toll und ich bewundere Dich für Dein Engagement und Deine Kraft.

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Abschaffung der ungerechten Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten vor dem 60. Lebensjahr #keinAbzug

keinAbzug_petiVerlinke zu einem NischenThema, um es für die Gesellschaft sichtbarer zu machen. Fördere Diskurse, um Themen, wie das Folgende aus der allgemeinen Sprachlosigkeit heraus zu holen. Der Text stammt von Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe und kann gern weiter verbreitet werden.

Worum geht es?

Wer eine Erwerbsminderungsrente beanspruchen muss, der ist so krank, dass er nicht mehr arbeiten kann. Niemand geht diesen Weg freiwillig. Durch die aktuelle Gesetzeslage werden jedoch Kranke bestraft, indem die oft schon geringe Erwerbsminderungsrente um nochmal bis zu 10,8% gekürzt wird, wenn man sie vor dem 60. Lebensjahr beanspruchen muss.

Jetzt wurde eine Petition ins Leben gerufen, die dies ändern will:

Abschaffung der ungerechten Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten vor dem 60. Lebensjahr

Wir nennen mal weitere Gründe für das Unterschreiben und Verbreiten dieser Petition:

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Bundestag lädt aus. Wir kommen trotzdem! Menschen im Rollstuhl gesucht.

Bitte weiter verbreiten, damit möglichst viele davon erfahren.

Via Offene Plattform und kobinet:

Die Realsatire aus dem Deutschen Bundestag, der Menschen mit Behinderungen erst eingeladen und dann wieder ausgeladen hat (weil zu viele im Rollstuhl kommen wollten), soll ins Fernsehen (kobinet 21.10.11).

Für die Teilnahme von Interessierten im Rollstuhl am Dreh eines TV-Teams vom Norddeutschen Rundfunk vor dem Reichstag am kommenden Dienstag, den 25.10. um 11 Uhr gilt: No limits.

Das NDR-Magazin extra 3, Deutschlands einzige Satiresendung im Fernsehen, will die parlamentarische Posse aktuell behandeln und ist zum Dreh vor dem Reichstag auf viele Rollifahrer eingestellt.

Wheelmap hat dazu auf Facebook eine Ereignisseite mit Pinnwand eingerichtet. Ihr Titel: Bundestag lädt aus. Wir kommen trotzdem! Menschen im Rollstuhl gesucht!

(Dank für den Hinweis an Ulrike Beudgen)

screenshot_Rollstuhlfahrer_gesucht

[Update] Making of “Extra 3 – Occupy Bundestag”

 

Dies ist ein Gastbeitrag von Gabriela Pichelmayer aus Wien. Der Beitrag wurde aus dem inzwischen geschlossenen Blog nischenthema übernommen. Wir würden uns freuen, wenn dieser Beitrag weiter verbreitet wird und Menschen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden, die Kommentarmöglichkeit nutzen und über ihre Erfahrungen berichten.

panthermedia_033449712„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik (Bund, Länder, Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behinderten und nicht behinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens zu gewährleisten.“
So steht es geschrieben in Artikel 7 des Österreichischen Bundesverfassungsgesetzes.

Wo das zum Tragen kommt, bedarf jedoch einer genaueren Prüfung.

Nehmen wir einmal an, Sie hätten eine schwere, unheilbare Erkrankung. Natürlich gehören Sie zum Kreis der begünstigten Behinderten und natürlich sind Sie auch „stolzer“ Besitzer eines amtlichen Behindertenausweises. Also trifft das oben zitierte Gleichstellungsgesetz der Bundesverfassung auf Sie zu. Rein theoretisch. In der täglichen Praxis wiederum erfahren Sie eine sich wiederholende Ignoranz.

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